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Fachkosmetikerin(Handwerkskammer geprüft), regulative Hauttherapeutin (Rosel Heim),
geprüfte Ernährungsberaterin (Paracelsus und Dr. Bruker) und Gedächtnistrainerin (Bundesverband der Gedächtnistrainer)

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3. Ein Haus braucht ein gutes Fundament - Ihre Haut auch!

von Erika Prummer 

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Seidig glatte Haut, rosig schimmernde Wangen oder leicht gebräunte Arme und Beine - eine schöne Haut hat viele Facetten. Eine intakte Haut ist dabei wie das eigene Haus /die eigene Wohnung. Sie wollen sich darin sicher und geborgen fühlen. Eindringlinge haben draußen zu bleiben! 

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Aber die Haut hat neben dieser Schutzfunktion noch viel mehr zu leisten. Sie ist ein wahres Wunderwerk und es lohnt sich, sie mal genauer zu betrachten. Nur dann verstehen wir auch, wie wir sie in ihrer wichtigen Arbeit unterstützen können.

Unsere Haut ist ein wahres Wunderwerk!

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Etwa zwei Milliarden Hautzellen schützen uns nicht nur vor Hitze, Kälte, Strahlung und chemischen Substanzen, sondern auch vor Druck und Stößen, vor eindringenden Mikroorganismen und vor Wärme- und Wasserverlust. Wenn der Säureschutzmantel Ihrer Haut intakt ist, verhindert er das Eindringen fremder Keime und hilft Wirkstoffe zu resorbieren. Auch die Regulation von Kreislauf und Körperwärme wird aktiv unterstützt. So wirkt zum Beispiel die Produktion von Schweiß einer Überhitzung unseres Körpers entgegen und schützt die Hautzellen gleichzeitig vor schädlicher UV-Strahlung.

Unsere Haut ist eine wahres Wunderwerk!

Je nach Körperregion ist unsere Haut unterschiedlich dick - im Durchschnitt misst sie ca. 2 qm und beansprucht etwa 20 % unseres Körpergewichtes. Die Haut ist zudem unser größtes Sinnesorgan. Millionen Nervenzellen und spezielle Fühler (Rezeptoren) vermitteln Druck und Temperaturreize, und lassen Sie Vibration und Schmerz spüren. Auf 1 qcm Haut befinden sich durchschnittlich 200 Schmerz-, 100 Druck-, 12 Kälte- und 2 Wärmerezeptoren, sowie 100 Schweiß- und 40 Talgdrüsen!

Aber die Haut kann noch viel mehr - sie zeigt auch unsere Gefühle! 

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Sie reagiert z.B. mit Erröten und Erblassen auf Ihre Gedanken und wenn es uns friert, stellen sich die Haare auf. Außerdem sendet sie mittels Duftstoffe (sog. Pheromone) auch Geruchsbotschaften an unsere Umwelt.

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Reparaturteam:

Ein Heer fleißiger Helfer wacht über die Intaktheit Ihrer Haut, reagiert auf Verletzungen und versucht diese so schnell wie möglich zu beheben. Dieses Reparaturteam besteht aus vielen Zellen, die vor Ort Verletzungen schnellstmöglich reparieren können. Die Haut ist lebenswichtig! Schon ein Verlust von ca. 20% (z.B. durch Verbrennungen) kann tödlich sein!

Jugend und altern

Jugend und altern

In der Jugend laufen die Teilungsvorgänge schneller, im Alter zunehmend langsamer ab. Dabei befinden sich ca. 2 % der Zellen immer in der Teilungsphase. Um die Zellneubildung künstlich zu beschleunigen kommen in der Kosmetikindustrie vermehrt fragwürdige Methoden zum Einsatz (z.B. Microdermabrasion, Mirconeedling). Viele Anti-Aging Verfahren versprechen schnellstmöglich eine „schönere Haut“ und erzwingen mit gezielten Verletzungen der Oberhaut eine häufigere und schnellere Zellneubildung. Dieser massive Eingriff in das natürliche Gleichgewicht macht die Haut jedoch sehr empfindlich und es dauert einige Zeit bis der geregelte Auf- und Abbau der Hornschicht wieder voll funktionsfähig ist - in einigen Fällen gelingt es gar nicht mehr. Beschleunigte Zellteilung bedeutet auch beschleunigtes Altern, da die Lebensdauer unserer Hautzellen aufgrund ihrer Genetik nicht unendlich ist! 

Um dies zu verstehen, lohnt es sich die Haut genauer anzusehen …

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Stellen Sie sich Ihre Haut wie ein Haus mit vielen Etagen vor!

Sie hat verschiedene Bereiche, in denen diverse Aufgaben und Funktionen bewältigt werden müssen.

Unsere Haut setzt sich aus folgenden 3 Bereich zusammen: Oberhaut (Epidermis), Lederhaut (Cutis),  Unterhaut (Subcutis). Diese unterteilen sich wiederum in weitere Schichten. Darin eingebettet sind die sogenannten Hautanhangsgebilde: Drüsen, Haare und Nägel.

Aufbau der Oberhaut

1. Oberhaut (Epidermis): 

Dieser, für die Kosmetik besonders wichtige Bereich, besteht aus ineinandergreifenden Schichten der Hornschicht (Stratum coneum), Glanzschicht (Stratum lucidum), Körnerzellschicht (Stratum granulosum), Stachelzellschicht (Straum spinosum), Basalschicht (Stratum basale).

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Die Oberhaut ist - je nach Region - sehr dünn und besitzt keine Blutgefäße. Sie wird ständig mit einer Wasser-Fett-Emulsion über die vielen kleinen Schweiß- und Talgdrüsen geschmeidig gehalten. Diese säurehaltige Mischung schützt zuverlässig vor Bakterien und Pilzen.

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Die äußerste Schicht der Oberhaut, die Hornschicht, besteht aus einem Verbund aus abgestorbenen, verhornten Zellen, die über eine „Mörtelsubstanz“ fest miteinander verklebt sind. Wie fest gemauerte Dachziegel bilden sie eine widerstandsfähige Mauer gegen chemische und mechanische Angriffe. Sie werden schnell abgebaut und müssen daher permanent erneuert werden. 

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Nachschub kommt aus der tief liegenden Keimschicht (Basalschicht). Hier werden ständig neue Zellen gebildet, die auf ihrem Wege nach oben viele Aufgaben und Funktionen zu erfüllen haben. Die jungen und überaus empfindlichen Zellen, die dort durch Teilung entstehen, werden durch die pigmentbildenden Melanozyten vor zu viel UV-Strahlung geschützt. 

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Der dabei gebildete braune Farbstoff Melanin wird sowohl in Haut und Haare eingelagert und färbt diese braun. Menschen mit dunklen Haaren und einem dunklerem Teint haben genetisch bedingt also schon  in der Regel einen höheren Eigenschutz als hellhäutige Personen. Dieser Bräunungsprozess wird durch UV-Strahlung aktiviert und sorgt so für zunehmenden Schutz und das damit verbundene braun werden der Haut.

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In weiteren Schichten der Oberhaut achten spezielle Hautnervenzellen, sowie Zellen des Immunsystems (z.B. Langerhans-Zellen) auf die Unversehrtheit und werden sofort aktiv, wenn Eindringlinge, Fremdsubstanzen oder andere Schädigungen wahrgenommen werden. Auf ihrem Weg nach außen lagert die junge Zelle immer mehr Kreatin (Hornsubstanz) ein, baut sich in den nächsten Schichten um und wird schließlich nach ca. 28 Tagen in der äußersten Hornschicht als fertige Zelle abgestoßen. Wir häuten uns also regelmäßig wie eine Schlange!

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Wie sich Ihre Haut dabei anfühlt - glatt und geschmeidig oder rau und rissig - dafür ist vor allem der Zustand und der Feuchtigkeitsgehalt der obersten Hornschicht verantwortlich. Ob der Teint blass oder rosig ist, entscheidet dagegen die Dicke der Hornschicht. 

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Der Oberflächenfilm der Haut hat dabei immense Bedeutung. Er wird gebildet aus Schweiß, Talg, sowie den durch unsere Bakterienflora erzeugten Stoffwechselprodukten. Bakterien, die als Dauerbewohner in Kolonien auf der Oberfläche unserer Haut leben und sich regelmäßig vermehren, bilden diese Bakterienflora.

Nur ein intakter Oberflächenfilm kann ausgleichend wirken und Hautschäden wirksam vermeiden!

Sie bietet Schutz  vor krankmachenden Keimen – ähnlich wie der Darm - schützt vor dem Austrocknen und ist die wirksamste Barriere gegen Fremdkeime und Pilze. Dabei erzeugen einige Bakterienstämme sogar Antibiotika (ca. 5%) und diese Herstellung kann bei Bedarf vermehrt werden, um uns zu schützen. Anteile des wichtigen Hydrolipidfilms werden so ebenfalls produziert. Dieser ist verantwortlich für die Geschmeidigkeit der Haut und den geregelten Auf- und Abbau der Hornschicht. Zudem sind im Schweiß auch wichtige Immunglobuline enthalten die zur Bekämpfung von Krankheiten enorm wichtig sind.

Nur ein intakter Oberflächenfilm kann ausgleichend wirken und Hautschäden wirksam vermeiden!

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2. Lederhaut (Cutis oder Corium): 

    

Unter der hauchdünnen Oberhaut befindet sich die wesentlich robustere und geschmeidige Lederhaut, bestehend aus der Zapfenschicht (Stratum papillare) und der Netzschicht (Stratum retivulare).

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Die elastische Lederhaut besteht aus locker verwobenem Bindegewebe, die sich bei Frauen durch entsprechende Struktur mehr ausdehnen kann, als bei Männern. Dabei ragt die Zapfenschicht tief in die Basalschicht der Epidermis und versorgt diese, über ihre kleinen Blutgefäße, mit entsprechenden Nährstoffen. Hier beginnen auch die Lymphgefäße, die den Blutkreislauf beim Abtransport von verschiedensten Stoffen unterstützen. Wie stark Sie Kälte, Druck oder Schmerz empfinden, hängt von der Menge der Wärme-, Kälte- und Tastsinnrezeptoren  in der Zapfenschicht ab, welche dort zu finden sind.

Wichtige Schutzzellen, wie Fibroblasten, Lymphozyten, Markophagen (Freßzellen) etc. sind ebenfalls in dieser Schicht anzutreffen. 

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Den freien Raum zwischen den einzelnen Zellen (Interstitium), füllt eine gelartige Flüssigkeit, in der sich alle diese Zellen gut bewegen können. Für die Immunabwehr ist diese besonders wichtig. 

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In der darunterliegenden Netzschicht findet sich parallel zur Körperoberfläche ein dichtes Netz aus  Kollagenfasern. Elastisches Bindegewebe und feste Kollagenfasern geben der Haut Stabilität uns sorgen für entsprechende Dehnbarkeit. Dabei richten sich diese Fasern in unterschiedliche Richtungen aus. Um klaffende Wunden zu vermeiden werden daher bei Operationen Schnitte entlang der Langerschen Linien gesetzt um so eine starke Narbenbildung zu verhindern. Zusätzlich befinden sich hier auch noch Haarbläschen, Schweiß-, Duft- und Talgdrüsen.

        

3. Unterhaut (Subcutis): 

Sie besteht aus lockerem Bindegewebe und beinhaltet die vielen kleinen warmen und gemütlichen Fettkissenpolster. Feste Fasern verbinden sie mit der darüber liegenden Lederhaut. Je schwächer dieser Verbund ist, desto mehr lässt sich die Haut „verschieben“ (Gesicht, Handrücken...). Die Unterhaut wird durchzogen von den großen Nerven- und Blutgefäßen. Hier befinden sich auch die Schweiß- und Talgdrüsen, die den Schutzfilm für die Oberhaut produzieren.  Auch Haarwurzeln ragen bis in die Unterhaut hinein.

    

Unter den Hautschichten befinden sich die festen Kollagenfasern und je nach Körperregion folgen dann Muskulatur, Knochen, Knorpel oder Fett.

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Um es kurz und knapp zu sagen:

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Die Oberhaut fungiert wie ein Schutzschild, die Lederhaut gibt die Festigkeit und Elastizität und die Unterhaut ist unser Fettspeicher. Alle drei zusammen hüllen unseren Körper, samt Organen ein und schützen ihn. Sie bilden das Fundament und müssen intakt sein, wenn Sie eine schöne und straffe Haut behalten wollen. 

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Da Unterhaut, Lederhaut und die unterste Schicht der Oberhaut über die Blut- und Lymphgefäße von innen her mit Nährstoffen versorgt werden, ist eine gute und ausgewogene Ernährung für eine schöne Haut enorm wichtig. Die restliche Oberhaut ist ohne Blutgefäße und deren Schönheit ist vor allem abhängig vom Zustand der obersten Hornschicht. Diese kann man mit guter Pflege sehr unterstützen. 

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Durch den Alterungsprozess und den damit verbundenen Abbau der Fettschichten wird die Haut dünner. Die kollagenen und elastinen Fasern verlieren ihre Elastizität, auch die Anzahl der Schweißdrüsen wird weniger und die Durchblutung und damit die Nährstoff- und Sauerstoffversorgung geht zurück. Die Haut wird dünner, trockener, spröder und Wunden heilen langsamer.

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Mit gezielten Pflegeprodukte und Behandlungen - im Sinne der Haut und der Natur – sowie einer ausgewogener Lebensführung und geistiger Entspannung können Sie diesen Prozess positiv beeinflussen.

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Ihr aktueller Hautzustand und ein individuell passendes Pflegekonzept ist wichtigstes Kriterium für dauerhaften Erfolg bei der Hautpflege! 

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Lesen Sie also weiter - in meinem nächsten Artikel zeige ich Ihnen, was Sie beim Kauf von Pflegeprodukten für Ihren Körper beachten sollten.

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Hier geht es zu meinem nächsten Artikel:

4 Wie finde ich die richtigen Pflegeprodukte?

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Quellen: 

(1) Dr. med univ. Heim, Frederique & Dr. phil.nat. Heim, Nana (2003): Regulative Hautpflege - der sanfte, sichere Weg, aus: nature + science, Sondernummer: 02/2003, Seiten 58–61, Kairos Verlag, Tübingen.

(2) medizinfo.de (2016):  Wundmanagement - Wundheilung und chronische Wunden, aufgerufen am 12.05.2016, 

http://www.medizinfo.de/wundmanagement/wundmanagement.htm 

(3) Fux, Christiane (2010): Haut – Aufbau und Funktion, aufgerufen am 12.05.2016, http://www.netdoktor.de/Gesund-Leben/Anatomie/Haut-Aufbau-und-Funktion-3531.html

(4) Christmann, Daniela (2015): Der Aufbau der Haut, aufgerufen am 12.05.2016, https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/hautkrebs/der-aufbau-der-haut.html